KISS ME I'M Golden – Annika Weertz

KISS ME I'M Golden – Annika Weertz
Freitag | 11. Oktober 2019 | 19:00 Uhr


ÜBER KISS ME I’M GOLDEN:

Fotografische Banddokumentationen haben einen eigenen Look und eigene Motive, die mittlerweile tausendfach reproduziert worden sind: Rituale vor dem Konzert, wenn alle ihre Kopfe zusammenstecken, verschwitzte Gesichter nach der Show, Drinks im Backstagebereich, kleine Scherze zwischen den Gigs, Konzertaufnahmen. Diese Fotografien sind in den seltensten Fällen Kunst, denn natürlich dienen sie in erster Linie dazu, ein gewisses Image der Band zu transportieren und ermöglichen intime Momente insofern nur in einem präparierten Rahmen.

Annika Weertz hat dieses Konzept nun von innen nach außen gewendet, als sie die Band Pacific Swell während ihrer Sommertour durch das Baskenland begleitet hat. Es geht ihr um die Frage, welche emotionalen Verbindungen und Individuen eine Band überhaupt konstituieren. Ihr fotografischer Blick heftet sich dafür direkt an die einzelnen Mitglieder und hat keinerlei Interesse daran, das schon existierende öffentliche Bild der Band weiter auszubauen. Denn letztlich verstellt die Bühnensituation einen essenziellen Teil der Musiker – der Mensch mit seinen Neurosen, kleinen Ticks, banalen Alltäglichkeiten, unachtsamen Blicken und Gesten verschwindet hinter den Instrumenten, der Performance, dem Sound und den Scheinwerfern.

Was Annika Weertz sucht, geht dabei über ein authentisches Bandportrait hinaus. Es ist eine unvermittelte Wahrnehmung von Verbindungen. Wie drückt sich die soziale Atmosphäre aus, wenn die Bandmitglieder für sich sind, wie stehen sie zueinander und wie wird ihre Verbindung zur Fotografin spürbar. Über etliche Aufnahmen hat Weertz versucht, ein Mosaik dieses Beziehungsgeflechts anzulegen, das natürlich in letzter Konsequenz unabgeschlossen bleiben muss. Es ist ein Versuch, der auch seinen eigenen Blick offenlegt, indem die Künstlerin mit ihrer eigenen Persönlichkeit und als wahrnehmbare Person in die Dokumentation eingeht. Wie der Gonzo-Journalismus kommt sie so einer Wahrheit näher, die jenseits einer objektiven Dokumentation liegt und eine ganz eigene Spannung für den Betrachter entfaltet.

Es wurde ausschließlich mit analogem Bildmaterial gearbeitet, so korrespondieren Polaroidaufnahmen mit Fotografien im Kleinbildformat und Bewegtbildern auf Super 8.

Bei der Eröffnung wird es Wein und Häppchen geben, solange der Vorrat reicht.

Die Ausstellung ist nach der Vernissage täglich von 16:00 bis 19:00 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.


Was heute noch los ist...